1. Herstellung
Glas wird aus Sand (Siliziumdioxid), Soda und Kalk bei über 1.500 °C hergestellt. Um den Energieverbrauch zu senken, wird recyceltes Altglas (Cullet) beigemischt – insgesamt rund 35–40 %. Der Großteil stammt aus Produktionsverschnitt (Pre-Consumer-Glas), während Post-Consumer- Glas – etwa aus alten Fenstern – bislang nur in geringem Umfang genutzt wird. Die Floatglas-Produktion verursacht 1,2–1,6 Tonnen CO2 pro Tonne Glas – vor allem durch den energieintensiven Schmelzprozess.
2. Chancen
Unbegrenztes Recycling: Glas ist zu 100 % recycelbar und kann ohne Qualitätsverlust wiederverwendet werden. Kreislaufwirtschaft reduziert die Abhängigkeit von Primärrohstoffen (Sand, Karbonate) drastisch.
CO2-Reduktion durch Recycling: Recyceltes Glas (Cullet) senkt den Energiebedarf der Glasherstellung, da es bei niedrigeren Temperaturen schmilzt. Außerdem entfällt der chemische CO2-Ausstoß, der beim Schmelzen von Sand und Karbonaten freigesetzt wird.
CO2-Reduktion durch grüne Energie: Den größten Beitrag zur Emissionsreduktion leisten der Einsatz von Wasserstoff und die Elektrifizierung der Schmelzprozesse. Ein Pilotprojekt mit 30 % Wasserstoff ergab bereits eine Reduktion der direkten Emissionen um 70 %. Glasrecycling bleibt aber auch in einer CO2-armen Zukunft essenziell, da es den Energieverbrauch zusätzlich senkt.
Zero-Carbon-Floatglas: In Pilotprojekten konnte Floatglas mit 100 % erneuerbaren Energien (Biogas und Ökostrom) und 100 % recyceltem Glas komplett klimaneutral hergestellt werden.
3. Herausforderungen
Energieintensive Produktion: Floatglas-Anlagen laufen 24/7 über viele Jahre hinweg, da ein Abschalten und Wiederhochfahren technisch und wirtschaftlich kaum realisierbar ist. Der Energiebedarf einer einzigen Anlage entspricht dem Verbrauch einer Kleinstadt mit 20.000 Einwohnern.
Hohe Reinheitsanforderungen: Glas für hochwertige Anwendungen muss frei von Verunreinigungen sein. Bereits kleinste Fremdstoffe wie Metallreste oder Kunststoffbestandteile können das Material unbrauchbar machen.
Geringer Anteil an recyceltem Post-Consumer-Glas: Während Produktionsverschnitt (Pre-Consumer-Glas) bereits häufig recycelt wird, liegt der Anteil von Fensterglas aus Altbauten (Post-Consumer-Glas) aktuell bei nur ca. 1 %. Hauptgründe sind das fehlende flächendeckende Sammelsystem und aufwendige Sortierungs- und Reinigungsprozesse.
Fehlende gesetzliche Anreize: Die Regulatorik behandelt Altglas oft noch als Abfall und nicht als wertvollen Rohstoff. Es fehlen verpflichtende Rücknahmesysteme für alte Fenster, und häufig sind Deponiekosten zu niedrig, um Recycling wirtschaftlich attraktiv zu machen.
Hohe Kosten für Transport und Aufbereitung: Der Transport und die Reinigung von Altglas sind oft teurer als die Nutzung von Primärrohstoffen. Ohne Anreize oder Förderprogramme bleiben die Recyclingkosten hoch.
Geringe Akzeptanz: Kunden erwarten makelloses Glas. Kleinste optische Unterschiede (zum Beispiel ein beinahe unsichtbarerer Punkt im Glas) können dazu führen, dass Recyclingglas im Premium-Segment nicht akzeptiert wird.
4. Best-Case-Szenario 2050
Geschlossener Recyclingkreislauf: Altglas fließt zu 100 % in die Produktion zurück. Ein effizienter Materialkreislauf macht den Einsatz neuer Primärrohstoffe überflüssig.
Strengere Regulierung: Höhere Deponiekosten und verpflichtende Rücknahmen machen Recycling wirtschaftlicher. Eine CO2-Bepreisung für Primärglas fördert den Einsatz von recyceltem Glas.
Effiziente Sammelsysteme: Dezentrale Recyclingzentren ermöglichen die Rückführung von Glasabfällen. Entsorger haben direkten Zugang zu diesen Stellen.
Automatisierte Prozesse: Fortschrittliche Sortier- und Reinigungssysteme sorgen für eine stabilere Materialqualität. Technologien zur Metallentfernung und Sortierung verschiedener Glasarten sind flächendeckend im Einsatz.
CO2-arme oder CO2-freie Glasproduktion: Die Glasindustrie setzt vollständig auf erneuerbare Energien und Wasserstoff als Energieträger. Elektrifizierte Schmelzöfen und moderne Schmelztechnologien ermöglichen eine nahezu emissionsfreie Produktion. Der verstärkte Einsatz von Cullet maximiert die CO2-Einsparungen.
Recyclingglas und Low-Carbon-Glas als Branchenstandard: Bis 2050 besteht der Großteil der Fensterprodukte aus Low-Carbon-Glas mit einem Recyclinganteil von über 70 %. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 setzt Finstral dieses Glas erstmals in größerem Stil ein und reduziert damit den Verbrauch von Rohstoffen und seinen CO2-Fußabdruck um 6 % gegenüber dem Vorjahr.