ITALOMODERN

Architektur in Oberitalien 1946-1976.

In aktuellen Fotografien und neugezeichneten Plänen entdecken Architekt Martin Feiersinger und Bildhauer Werner Feiersinger die Nachkriegsarchitektur Oberitaliens wieder: eigenwillige und charakteristische Bauwerke von Neorealisten, Rationalisten, Brutalisten und Organikern. Die gemeinsam mit dem aut. architektur und tirol entwickelte Schau ist nun erstmals auch in Deutschland zu sehen. Vom 26. September 2019 bis 15. Juli 2020 im Finstral Studio Friedberg direkt an der A8 nahe Augsburg.

Mit der umfassenden Bestandsaufnahme von ITALOMODERN lenken Martin und Werner Feiersinger den Blick auf die heterogene Architektur der Nachkriegszeit in Oberitalien. Die Schwerpunktsetzung der Brüder ist dabei zweigeteilt, entsprechend ihrer Sichtweisen als Bildhauer und Architekt. „Einmal geht es um die skulpturalen Qualitäten der Gebäude, ihre Materialität und die verschiedenen Oberflächen, zum anderen um Raumbildung, funktionale Konzeption und die Einbindung in das Umfeld.” – so Martin und Werner Feiersinger.

Die Bandbreite reicht von den Vorläufern heutiger „tiny houses” wie Mario Cavallès „Case Zucca” in Mailand, über kleine Wohnhäuser wie Gino Valles „Casa Rossa” in Udine bis zu auch heute noch kühn anmutenden Wohnanlagen in Triest und Genua. Unter den ausgestellten 115 Aufnahmen finden sich auch Bilder der maschinenhaften Architektur des Olivetti-Hotels „La Serra” in Ivrea, die spektakuläre Silhouette der „Torre Velasca” von BBPR in Mailand oder couragierte Konstruktionen und Einzelwerke kaum bekannter Architekten. Keine zeitlose Architektur also, sondern Bauten, die klar Ausdruck einer Zeit sind, in der man voller Optimismus an die architektonische Gestaltbarkeit der Zukunft glaubte.

Bild oben: Mario Cereghini, Biwak, Lecco, Grignetta, 1966-67
Bild rechts: Iginio Cappai, Pietro Mainardis, Olivetti-Hotel, Ivrea, 1967-75

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ITALOMODERN
Zeitgenössische Kunstsammlung Finstral
Zeitgenössische Kunstsammlung Finstral – Der Sammler Hans Oberrauch.
Der Blick aus dem Fenster kann in verschiedener Hinsicht als symbolischer Blick gedeutet werden: als Öffnung zur Welt, auf die kulturellen Veränderungen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit, aber auch als ein abgewandter, in sich gekehrter Blick auf das Seelenleben und individuelle Bedürfnisse. 
Als architektonisches Element markiert das Fenster die Schnittstelle zwischen Privatem und Öffentlichem und reflektiert soziale, kulturelle wie mediale Ent­wicklungen.
Dank der Kunstleidenschaft des Firmengründers Hans Oberrauch besitzt Finstral heute eine abwechslungs- und umfangreiche Sammlung zeitgenössischer Kunst. Die seit der Firmengründung stetig wachsende Sammlung erzählt von der engen Verzahnung zwischen künstlerischem Schaffen und innovativem Denken und versteht sich als wichtiger Impulsträger für ein individualistisches Herangehen an die Thematik des Bauens und Wohnens. Die Kunst war dabei immer schon Inspirationsquelle und Teil der Philosophie des Unternehmens.

Bild: Thomas Locher: Fenster, 1995, Cibachrome, gerahmt, 165 x 165 cm
Douglas Henderson
Douglas Henderson – Temporary Gallery, Finstral Studio Friedberg, 2018-2019.
Klang ist ein Körper; eine über mehrere Sinne wahrnehmbare räumliche Ausdehnung, die sich in Bewegung setzt. Der US-amerikanische Soundkünstler Douglas Henderson nutzt die Energien des Klanges sowohl als sinnliches Medium als auch als kulturell aufgeladenes Gewebe sozialer Implikationen. Die Tatsache, dass Klang nicht nur auditiv in Erscheinung tritt, sondern von Natur aus auch körperliche, räumliche und bildhafte Formen annehmen kann, interessierten ihn schon zu Beginn seiner künstlerischen Karriere.
Klang kann sich durch seine physikalischen Eigenschaften in verschiedene Medien manifestieren und so als genuin mediales Hybrid existieren: Als Wellenmuster in Flüssigkeiten, als Druckverhältnisse in der Luft oder als kinetische Energie in responsiven Materialien.Neben den unmittelbaren Erfahrungsphänomenen der Klangwerke fußt Hendersons Arbeit auch immer auf einer pointierten Anspielung zu Klischees und Sujets der Pop- und Rockkultur.
Soft Architecture
Soft Architecture – Temporary Gallery, Finstral Studio Friedberg, 2017-2018.
Die Ausstellung Soft Architecture spannt einen ­Bogen zwischen Architektur, Design und zeitgenössischer Kunst. Die hermetisch geführten Diskurse werden aufgebrochen und liefern sich gegenseitig wichtige Impulse bezüglich sozialer und politischer Aspekte sowie ästhetischer Fragen. Die verschiedenen Disziplinen forschen und experimentieren mit Materialien und untersuchen sozioökonomische Strategien, die in der Ausstellung Soft Architecture zum Tragen kommen.

Der Begriff soft findet in verschiedensten Bereichen Verwendung: soft material, soft power, soft management, software oder eben soft architecture. Am ­Direktesten weckt er Assoziationen zu Berührung und Haptik, Druck und Widerstand. Weich, flexibel und elastisch sind Modalitäten, die neben einer bestimmten Stofflichkeit der Materie auch für Gestaltungskonzepte stehen.

Bild: Toni Schmale: 170° & 400°, 2017, gehärteter Stahl, Beton, Messing, jeweils 350 x 12 x 20 cm