Wann wird etwas zum Abfall? Wenn wir es nicht mehr brauchen? Wenn es bricht, verblasst, seinen Glanz verliert? Oder ist Abfall nur eine Idee – ein Missverständnis, das wir verlernen müssen? Material vergeht nicht. Es bleibt. Es verändert sich, nimmt neue Formen an, erzählt neue Geschichten. Ein Fensterrahmen war einmal Bauxit tief in der Erde. Eine Glasscheibe beginnt als Sand in einem fernen Flussbett. PVC durchläuft Zyklen, ohne seine Widerstandskraft zu verlieren. Was also, wenn wir nicht entsorgen, sondern verwandeln? Wenn wir neu denken, was wir hinter uns lassen? Könnte ein Gebäude so gebaut sein, dass es niemals verschwindet? Dass es sich auflöst, neu zusammensetzt, weiterträgt? Wie sieht Architektur aus, die sich selbst erhält? Wir haben uns auf die Suche gemacht – nach Antworten, Lösungen und Möglichkeiten. Was wir gefunden haben: Materialien, die bleiben. Kreisläufe, die geschlossen werden können. Und Ideen, die Abfall in Ressourcen verwandeln.
Text: Julia Christian
Artwork: Kevin Jaeger
Ohne Recycling kein nachhaltiges Bauen. Die Wiederverwertung von Glas, Aluminium und PVC ist eine Stellschraube für mehr Nachhaltigkeit – aber reicht das? Denn auch wenn diese Materialien grundsätzlich recycelbar sind, stellt sich die Frage: Wie oft und mit welchem Energieaufwand lassen sie sich wiederverwenden? Und wie viel CO2 fällt dabei an? Finstral hat sich von ClimatePartner die eigene CO2-Bilanz berechnen lassen – mit einer ernüchternden Erkenntnis: Während das Unternehmen bis 2030 in Scope 1 (direkte Emissionen) und 2 (indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie) klimaneutral wird, fallen 95,7 % der Emissionen in Scope 3 (indirekte Emissionen innerhalb der Wertschöpfungskette) an – vor allem in der Materialbeschaffung.
Der größte Hebel für mehr Nachhaltigkeit liegt also nicht in der eigenen Produktion, sondern in der Lieferkette. Also haben wir uns mit den Materialexperten unserer Hauptlieferanten zusammengesetzt – Saint-Gobain für Glas, Grupa Kęty für Aluminium und Orbia Polymer Solutions (Vestolit) für PVC – und nachgefragt: Wie zirkulär sind die Materialien? Welche Innovationen könnten ihre Wiederverwertbarkeit verbessern? Und was muss passieren, damit aus problematischen Stoffen nachhaltige Lösungen werden? Gemeinsam haben wir den Status quo analysiert, Herausforderungen benannt und einen Blick ins Jahr 2050 geworfen. Denn wenn Recyclingmaterialien von der Ausnahme zur Norm werden sollen, braucht es mehr als gute Absichten. Es braucht neue Technologien, politische Weichenstellungen und eine Industrie, die nicht nur ihre Recyclingquoten, sondern ihre gesamte Klimabilanz hinterfragt.