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„Architektur ist ein Versprechen.“
Licht denken und licht denken – wer baut, muss beides können. Acht Fragen an Marco Coletti von Studio Marco Piva in Italien.
„Architektur ist ein Versprechen.“
Der Südtiroler Fensterhersteller Finstral sucht den Dialog, initiiert Gespräche und diskutiert relevante Themen aus dem Großraum Architektur. Für die dritte Ausgabe des Finstral Magazins F_03 haben wir acht Fragen an Architektinnen und Architekten aus ganz Europa gestellt. Lesen Sie hier die Antworten von Marco Coletti von Studio Marco Piva.

1. Wie denken Sie als Architektin/als Architekt über Licht?

Marco Coletti: Licht ist zweifelsohne ein aktives und lebendiges Element. Speziell natürliches Licht verändert im Laufe des Tages das Aussehen eines architektonischen Projekts. Mit Hilfe von Kunstlicht lassen sich einzigartige Szenarien konfigurieren, die der Betrachter durch Interaktion auch verändern kann. Die Lichtplanung muss zusammen mit dem architektonischen Projekt entwickelt werden, sodass dessen Form und Geometrien durch das Spiel von Licht und Schatten hervorgehoben werden. Sowohl Tages- als auch Kunstlicht kann zum Werkzeug werden, mit dem der Architekt seine Architektur definierter gestalten kann. Genau aus diesem Grund sollte Licht nicht als eine rein technische Ergänzung betrachtet werden. Vielmehr muss Licht als vollwertiger Bestandteil des architektonischen Projekts gelten.

2. Wie planen Sie Tageslicht?

Licht gibt der Umgebung, in der wir leben, Gestalt und es verleiht der von uns entworfenen Architektur Charakter. Es muss daher in einer ständigen Beziehung zu Raum und Zeit gedacht und konzipiert werden. Es gibt keine Standards für den Einsatz von Licht in einem architektonischen Projekt, da sich die Ausrichtung des Gebäudes, seine geografische Lage und der Breitengrad des Standorts erheblich auf die Merkmale von natürlichem Licht und seine Planung auswirken.

3. Wie nutzen Sie das Fenster als architektonisches Gestaltungselement?
Türen und Fenster werden leider allzu oft als simple Funktionselemente betrachtet, weil sie in der zeitgenössischen Architektur nur nach Vorgaben und Vorschriften behandelt werden. In Wirklichkeit sind sie jedoch eines der wichtigsten Elemente in der Architektur. Heutzutage gibt es sogar zahlreiche Gebäude, bei denen einfache quadratische oder rechteckige Löcher in der Wand auf – gelinde gesagt – triviale Weise das Verhältnis zwischen außen und innen definieren. Dabei sind Fenster ein wichtiges Element der architektonischen Gestaltung. Ihr Design muss auf jeden Fall in Abhängigkeit von Funktion und Standort definiert werden. Bei unseren Projekten ist es jedenfalls gewollt, den Blick nach außen möglichst weit zu öffnen, vor allem bei Projekten im Bereich der Gastronomie oder des luxuriösen Wohnens.

4. Welches (bekannte) bestehende Gebäude würden Sie gerne wie umnutzen oder erweitern?
Als Architektur- und Designstudio sind wir der Überzeugung, dass es eine der größten Herausforderungen und spannendsten Erfahrungen ist, einem historischen Gebäude neues Leben einzuhauchen. Wir erleben das Entwerfen und Planen als eine Art Mission und daher kann ich nicht ein einzelnes Gebäude bestimmen, das ich um- oder ausbauen möchte. Unser Ziel ist es, „Teile der Geschichte“ in nachhaltige Räume umzuwandeln und so noch mehr Menschen mit diesen historischen Bauten in Kontakt zu bringen. Wir standen schon oft vor der Herausforderung, verlassene und stillgelegte historische Gebäude – von Industrieanlagen bis hin zu Verkaufsflächen – wieder zu beleben. Wir suchen nach der verborgenen Energie eines Gebäudes und revitalisieren das Ambiente, um es an die neuen Lebensbedürfnisse anzupassen und in die Gegenwart zu holen.

5. Bauen ist ein Dickicht aus unzähligen Vorgaben und teils veralteten Abläufen: Was würden Sie ändern? Und wie?
Ich stimme mit dieser Aussage absolut überein. Die Vorschriften sind veraltet und die Spezifikationen oft zu streng. Dabei geht es nicht darum, einen einzelnen Aspekt zu ändern, sondern eine innovativere Vision zu haben und den Designern mehr Autonomie zu gewähren. Es ist gar nicht einfach zu definieren, was wir ändern würden. In den verschiedenen Ländern und Regionen, in denen wir tätig sind, sind es einzelne Aspekte in der Gesetzgebung, die Innovation und Projektentwicklung einschränken. Vielleicht wäre es sinnvoll, den Gesetzgebern bei der Erstellung der diversen Pläne Architekten zur Unterstützung zur Seite zu stellen – damit sie die richtige Balance aus administrativen Vorschriften und Planungsfreiheit für das jeweilige Gebiet finden können. In jedem Fall ist es dringend erforderlich, dass Italien eine Politik beginnt, die es den Städten ermöglicht, aktiv die Attraktivität in Bezug auf Arbeitsmarkt, Prozess- und Produktinnovation, Forschung, Internationalisierung, Umweltschutz, Freizeit und Bildung zu steigern.

6. Architektur ist gebaute Realität. Welche gesellschaftliche und politische Verantwortung haben Architektinnen und Architekten heute?
Architektur ist ein Versprechen, das der Architekt der Stadt und den Menschen, die dort leben und arbeiten, gibt. Der Architekt entwirft und baut die Orte, an denen wir leben, sowohl die Innen- als auch die Außenbereiche, sodass seine Verantwortung nicht nur gegenüber seinem Bauherrn besteht. Ein Gebäude kann nicht als isoliertes Element betrachtet werden, sondern es muss in seinem räumlichen, aber auch sozialen und gesellschaftspolitischen Kontext gesehen werden. Auch aus politischer Sicht muss der Architekt eine grundlegende Rolle in der heutigen und künftigen Gesellschaft spielen, damit er einerseits die Umwelt schützen, aber andererseits auch die Entwicklung der verschiedenen wirtschaftlichen und sozialen Bereiche unterstützen kann.

7. Mit wem würden Sie gerne einen (Architektur-)Diskurs führen – und zu welchem Thema?
In Anbetracht der aktuellen Situation und der kontinuierlichen Entwicklung der heutigen Gesellschaft halte ich es für sehr wichtig, konstruktive Diskussionen mit den Architekten der Zukunft zu führen, um sie auf die Herausforderung vorzubereiten, die die Zukunft uns bringt. Die künftigen Planer müssen sich immer mehr des multidisziplinären Charakters der Projektplanung bewusst sein. Angesichts der unterschiedlichen Spezialisierungen der Universitäten werden ein ausgezeichneter Teamgeist und das Zusammenspiel von Personen mit unterschiedlichem Know-how immer wichtiger, um den Anforderungen eines jeden einzelnen Projekts gerecht zu werden.

8. Mit welcher These eröffnen Sie diesen Diskurs?
Ein wichtiger Aspekt, mit dem sich künftige Architekten zweifellos auseinandersetzen müssen, ist der „Projektmanagement-Ansatz“. Zu betonen ist unbedingt der Stellenwert des Arbeitsteams, das die eigenen multidisziplinären Fähigkeiten und Expertisen vereint und wo Diversität und gegenseitiges Ergänzen geschätzt werden. Auf diese Weise entsteht eine kompakte Gruppe, die Visionen und Lösungen für ein qualitativ hochwertiges Endprodukt im Einklang mit den Kundenerwartungen entwickeln kann.

Das 1990 gegründete Studio Marco Piva versteht sich selbst eher als eine experimentelle Werkstatt, in der mit methodischer Strenge Projekte verschiedenster Größenordnung bearbeitet werden – von Architektur über Innenarchitektur bis zum Industriedesign. Initiator und Inhaber Marco Piva war einer der sechs Architekten, die von 1977 bis 1988 mit dem Designstudio STUDIODADA internationale Erfolge feierten. Marco Pivas Arbeit wurde mit zahlreichen Awards ausgezeichnet.
studiomarcopiva.com


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