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Einschränkung als Chance.
Wie denkt, baut und plant das Architekturbüro AHA aus Brüssel? Ein Gespräch mit Aurélie Hachez.
Einschränkung als Chance.
„Räumliche Großzügigkeit steht für mich immer an erster Stelle, auch bei kleinen Projekten”, erklärt Aurélie Hachez. Nach ihrem Studium an der ISACF La Cambre in Brüssel gründete sie 2012 ihr eigenes Büro: AHA – Aurélie Hachez Architecte. Am Anfang arbeitete sie allein, aber das Büro wuchs. „Mittlerweile sind wir zu fünft, viel mehr sollten wir aber nicht werden”, sagt sie. „Bei größeren Projekten kooperiere ich lieber mit anderen Architektinnen und Architekten. Auf diese Weise kann ich mich weiterhin auf das Entwerfen konzentrieren; mit einem größeren Büro käme dann doch sehr viel Verwaltungsaufwand dazu.” Aktuell arbeitet sie mit den Büros noAarchitecten, Korteknie Stuhlmacher Architecten und Sergison Bates an Citygate, einem Projekt in Anderlecht, das 365 Wohnungen, eine Schule und Bereiche für die Fertigungsindustrie umfasst. Für dieses Projekt schloss sie sich zusätzlich mit der französischen Architektin Elseline Bazin zusammen.

Aurélie Hachez und Elseline Bazin arbeiten auch gemeinsam an dem Entwurf für das neue Kirchenmobiliar der Kathedrale von Tournai. „Der Kontrast zu Citygate könnte nicht größer sein. Aber es ist ein Privileg, auf so vielen verschiedenen Maßstabsebenen arbeiten zu dürfen. Das schärft unser Bewusstsein beim Entwerfen.”

Ganz in der Nähe von Tournai hat sie im vergangenen Jahr auch einen Bauernhof umgebaut. „Das Eigentümerpaar wollte den Hof verkaufen, um ein schlüsselfertiges Haus auf dem Land bauen zu lassen.” Aurélie Hachez überzeugte sie davon, dass der Hof mehr Qualitäten habe als ein banaler Neubau und ein Umbau zudem auch kostengünstiger und ökologischer sei. Als Erweiterung des vorhandenen Gebäudes entwarf sie ein Betonskelett, das sowohl das großzügige Wohnzimmer, den seitlichen Eingang des Hauses, einen Carport und eine Pergola integriert. „Das Grundstück ist sehr schmal und der Streifen neben dem Haus schien für die Eigentümer nicht nutzbar”, so Hachez. „Aber gerade diese Einschränkung führte zu einem interessanten Entwurf.” Dieser Umbau zeigt, wie subtil sich ein Eingriff in eine ländliche Umgebung einfügen kann und dabei auch noch den Wohntraum der Nutzerinnen und Nutzer erfüllt.

Für Citygate arbeiten Sie mit vielen Parteien gemeinsam. Wie funktioniert die Zusammenarbeit und wer ist letztendlich federführend?
Aurélie Hachez: Partner bei diesem Projekt sind noAarchitecten, Korteknie Stuhlmacher Architecten und Sergison Bates architects. Mit AHA und Elseline Bazin sind wir also sechs Parteien. Im ersten Schritt haben wir einen Masterplan erarbeitet, in dem wir das neue Quartier mit Straßen und Plätzen entworfen haben. Dieses neue städtische Gefüge besteht aus verschiedenen Typologien: Hochhäuser, Patiowohnungen und flachere Bauten. Diese Vielfalt spiegelt auch die angrenzenden Viertel wider. Jedes beteiligte Büro ist für mehrere Gebäude zuständig. Mit klar definierten „Entwurfsstatuten” und zweiwöchentlichen Meetings sorgen wir für Kontinuität zum Beispiel in Bezug auf die Auswahl der Materialien, ohne dabei die Identität der einzelnen Gebäude zu beeinträchtigen. Wir suchen immer nach dem „Common Ground” der Entwürfe. Eine gute Koordination und Kommunikation mit dem Bauherrn sind dabei von grundlegender Bedeutung.

Das Kirchenmobiliar, das Sie für die Kathedrale von Tournai entwerfen, liegt maßstabsmäßig am anderen Ende des Spektrums. Worin liegt hier das Besondere?
Die Kathedrale von Tournai ist in der Tat ein ganz besonderes Bauwerk. Sie ist nicht nur groß, sondern hat auch einen gotischen Chor und ein romanisches Kirchenschiff. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurden die Glasfenster des Chors durch Fenster mit einem dunkleren Muster ersetzt. Dies führt im Hinblick auf den Lichteinfall zu einer widersprüchlichen Situation. Der Liturgie nach ist eine Kirche nach Osten ausgerichtet, also in Richtung des Lichts. Aber in diesem Fall wirkt der Chor düsterer und dramatischer als das Schiff. Hinzu kam, dass wir Mobiliar und ein Podium genau an der Grenze dieser beiden gegensätzlichen Atmosphären entworfen haben. Unser Eingriff ist also eine Art Scharnier in der Kathedrale. Wir haben das Licht, das nicht nur wunderschön ist, sondern sich auch in seiner Schattierung im Laufe des Tages ändert, in den Entwurf einbezogen. Es ist ein großes Privileg, in einem von Schönheit durchdrungenen Kontext arbeiten zu dürfen. Mit unserem Mobiliar wollen wir diese Pracht stärken und hervorheben.
Einschränkung als Chance.
Citygate, Brüssel (AHA, Elseline Bazin, noAarchitecten, Korteknie Stuhlmacher Architecten, Sergison Bates architects) Mit der Transformation des ehemaligen Industriegeländes entsteht eine soziale und funktionale Stadtstruktur, die sich in die Umgebung integriert.
Einschränkung als Chance.
Ulysse, Tournai (2018, AHA) Optimale Nutzung des schmalen Grundstückstreifens über ein Betonskelett, welches das bestehende Bauernhaus erweitert und pragmatisch aufwertet. © Delphine Mathy
Einschränkung als Chance.
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