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Haus ohne Baustelle.
Emmeloord: Bauen in Serie.
Haus ohne Baustelle.
Wohnraum wird knapp. Baumaterialien werden teurer. Handwerker sind oft auf Jahre hinaus ausgebucht. Und Baustellen werden immer komplexer. Kurzum: Die Rahmenbedingungen am Bau ändern sich. Also sucht die traditionell geprägte Branche nach neuen Antworten auf die alte Frage: Wie baut man ein Haus? Die Antwort des niederländischen Unternehmens StartBlock ist überzeugend radikal: aus nachhaltig flexiblen und seriell vorproduzierten Wohnmodulen.

Text Klaus Rathje | Bilder Patricia Kühfuss

Acht riesige Holzkorpusse stehen in einer Werkshalle im niederländischen Emmeloord. Es läuft Musik und der Innenausbau der dreigeschossigen Reihenhäuser ist in vollem Gange. Zwei weitere Häuser liegen gekippt davor. Mit wenigen Handgriffen wird ein vormontierter sanitärer Versorgungsstrang eingesetzt – in nur zwei Stunden. Auf der Baustelle würde das eher zwei Tage dauern, aber eine klassische Baustelle werden diese Häuser nie sehen. Sie verlassen die Halle komplett fertig montiert: mit allen Innenausbauten inklusive Sanitär- und Küchenelementen, mit Dach, allen Fenstern und Haustüren. Und dann? „Naja, wir kippen sie einmal, laden sie auf einen Lastwagen und stellen sie beim Kunden wieder in eine aufrechte Position”, erkärt Henk Visscher, einer der Gründer von StartBlock, als wäre es das Normalste der Welt, ein Haus hin- und herzukippen. „Da muss man mit massivem Holz arbeiten, damit das Haus stabil genug ist und diesen Twist mitmacht. Wir haben das zur Sicherheit erstmal mit Lego ausprobiert.”

Der zweite der drei Gründer, Jeroen Oost, beschreibt, wie es weitergeht: „Vor Ort wird das Haus dann nur noch an die Wasser- und Stromleitung angeschlossen und fertig.” Früher war er Immobilienentwickler und beobachtete auf dem niederländischen Hausmarkt zwei grundlegende Herausforderungen. „Ich habe oft Projekte begleitet, bei denen Reihenhäuser aus den 1950er und 1960er Jahren eine neue gedämmte Fassade bekommen haben, damit sie energieeffizienter werden. Das allein hat zwischen 80.000 und 90.000 Euro gekostet. Gleichzeitig sind die Standard-Reihenhäuser in den Niederlanden sechs Meter breit, obwohl oft nur ein oder zwei Menschen darin leben. Ein Haus kostet also viel Geld und viel Platz.”

Kleines Haus, viel Lebensqualität
StartBlock liefert eine schlanke und effiziente Lösung, sozusagen die neue Kompaktklasse unter den Reihenhäusern. Die Außenmaße der Häuser entsprechen exakt der maximal transportablen Kubatur. Und mit einer Breite von 2,30 Metern finden somit auf einer Fläche von fünf alten Häusern zwölf StartBlock-Häuser bequem Platz. Ein Haus hat insgesamt eine Wohnfläche von 50 Quadratmetern, also gerade mal 16 Quadratmeter pro Etage. Trotzdem wirkt es geräumig, denn die Fassade besteht zum größten Teil aus Glas. Dass die Zeit für so ein Kompakthaus reif ist, beweist ein Blick auf die Zahlen. So wie in Deutschland und Frankreich sind auch in den Niederlanden die Immobilienpreise stärker gestiegen als andere Güter und Dienstleistungen. Schon zwischen 2015 und 2020 haben die Niederländer einen Preisanstieg um 42 Prozent erlebt – Tendenz weiter steigend. „Wir können hier wirklich etwas bewegen”, meint Henk Visscher. „Um die 350.000 Euro kostet ein typisches Reihenhaus in den Niederlanden. Wir können unser Haus für 150.000 Euro anbieten. So ist es für praktisch jeden, der einen Job hat, möglich, sich ein Haus zu kaufen.”

Alle Standards hinterlegt
Gründer Nummer Drei ist Jelle Post, der Architekt des Trios. „Das StartBlock-Haus, wie es hier steht, ist die fünfte Version, also so viele Versuche haben wir gar nicht gebraucht, bis wir zufrieden waren und alles so funktioniert hat, wie wir es uns gewünscht haben.” Post freut sich über das gute Feedback, denn die Stadtplaner seien „sehr happy”, weil es sich bei StartBlock um einen neuen Häusertyp handelt, der durch seine kleine Grundfläche ganz neue Möglichkeiten eröffnet. „Mit unseren Kompakthäusern können wir die Stadt gewissermaßen neu erfinden.” Zum Beispiel bleibt bei der kleinen Grundfläche genug Platz, um Grün mitzuplanen. Mit StartBlock-Häusern wäre es sogar möglich, bereits zubetonierte Flächen in der Stadt wieder zu „entsiegeln” und mehr Rasenflächen zu schaffen. Zudem könnte StartBlock den Trend stoppen, dass Menschen auf immer mehr Quadratmetern leben. Wer sich in einem der Häuser bewegt, die Post mit seinen Co-Foundern entworfen hat, muss sich die Frage stellen, wozu man eigentlich mehr Platz zum Wohnen benötigt. Dafür hat auch Mitgründer Henk Visscher gesorgt, der sein ganzes Schreiner-Know-how einbringt. Früher hat er sich mit dem Innenausbau von Schiffen und Yachten beschäftigt, wo es darum ging, noch den letzten Kubikzentimeter auszunutzen. „Gleich nachdem wir die Idee für StartBlock hatten, habe ich angefangen zu überlegen, wie ich möglichst viele Dinge platzsparend einbauen kann”, sagt Visscher und präsentiert nicht ohne Stolz die Schubladen, die er in die Treppenstufen integriert hat. Auch für das kleine Duschbad hat er eine smarte Lösung gefunden, denn er hat das Waschbecken ausgelagert. Das begegnet einem beim Verlassen des eigentlichen Badezimmers gleich gegenüber – Visscher hat es auf der Rückseite der Treppe, die ins nächste Geschoss führt, untergebracht. „Sparsam sind wir nur beim Platzbedarf und beim Fertigungsaufwand, beim Produkt selbst ist für uns immer klar: Es muss bestmögliche Qualität sein”, betont er. „Es soll sich richtig gut anfühlen, in unserem Haus zu wohnen.”

Küche, Wohn- und Schlafzimmer entsprechen genau den niederländischen Mindestanforderungen von elf Quadratmetern. Das klingt nach sehr wenig, aber es fühlt sich nicht so an. Dazu tragen nicht zuletzt die Fenster bei, die den Großteil der Fassade einnehmen. „Wir wollten große Fensterflächen, damit man sich nicht vorkommt wie in einem Käfig”, sagt Jelle Post. „Und wir haben nach einem Fenstertyp gesucht, der wandlungsfähig ist und sich verschiedenen Designs anpassen kann.” Zum einen gibt es in den Niederlanden meist auch für die Fassadengestaltung strenge Bauvorschriften, die den Look vorgeben. Zum anderen will StartBlock seinen Kunden die Möglichkeit bieten, einen eigenen Look zu kreieren.

Modular und innovativ
Das modulare Baukastensystem der Finstral-Fenster erfüllt diese Anforderungen tatsächlich perfekt, schließlich ist Modularität gewissermaßen die Spezialität von Finstral. Geschäftsführer Joachim Oberrauch erläutert: „Wir bieten dem Bauherrn freie Auswahl an Materialien. Das ist ein echter Benefit. Der Kunststoffkern unserer Profile garantiert optimale Funktion, während die Außen- und Innenseite der Rahmen vollkommen variabel gestaltet werden kann.” Darüber hinaus sind Finstral-Fenster konsequent nachhaltig konstruiert, denn sie lassen sich am Ende ihres Lebenszyklus sortenrein zerlegen und vollständig recyceln – noch ein Aspekt, der für StartBlock entscheidend war, denn er gilt für ihre Häuser insgesamt.

Die Gründer kannten Finstral bereits aus früheren Projekten, weshalb ihnen schnell klar war, dass sie mit dem Südtiroler Familienunternehmen zusammenarbeiten möchten. Jeroen Oost: „Das ist ein Fensterhersteller, der permanent auf Innovation setzt, das sieht man den Produkten an, und man spürt es, wenn man mit ihnen zu tun hat – und das entspricht unserer Haltung, da sprechen wir eine Sprache.” Auch Joachim Oberrauch bestätigt: „Als die Gründer mir von ihrer Idee erzählt haben, war ich erst einmal neugierig. Uns war schnell klar, dass wir ein Teil dieses innovativen Projekts sein wollten. Für uns ist die Zusammenarbeit mit StartBlock sehr inspirierend.”

Mit ihren schmalen Rahmen und den Lüftungselementen prägen die Finstral-Fenster in allen drei Etagen den Charakter der StartBlock-Häuser, die nun ihren ersten Praxistest erleben. In Emmeloord, dem Heimatort von StartBlock, entsteht eine kleine Siedlung mit 16 Häusern, und in der Nähe von Rotterdam freuen sich 32 Hausbesitzer über ihr kleines, feines Eigenheim. Und das ist erst der Anfang. Jeroen Oost: „Für das Jahr 2022 rechnen wir mit 200 bis 250 Häusern. Unser Ziel liegt bei 800 Häusern pro Jahr.” Gute Aussichten also für die Städte der Zukunft. Und natürlich tüfteln die drei schon an neuen Innovationen. Die kleinen StartBlock-Häuser sind für Ein- oder Zwei-Personen-Haushalte gedacht, für Singles, junge Pärchen oder Paare, die sich verkleinern wollen, weil die Kinder ausgezogen sind. Um das modulare System weiter auf die Spitze zu treiben, gibt es einen neuen Ansatz: Warum umziehen, wenn man mehr Platz braucht? Vielleicht könnten Paare, die Kinder bekommen, einfach ein weiteres StartBlock-Haus nachbestellen und mit ihrem ersten Haus verbinden. In Emmeloord ist man jedenfalls auf alles vorbereitet.

Fensterwand mit Lüftungsflügel Vent
Für die Reihenhäuser von StartBlock liefert Finstral Fensterwandmodule mit einem Lüftungsflügel Vent. Die transparenten Festfelder sind mit leichtem Sonnenschutzglas ausgestattet, sodass sie zwar viel Licht, aber weniger Wärme hereinlassen. Der Lüftungsflügel Vent liegt hinter einem Insektengitter und Lamellen aus ForRes – einer Materialinnovation von Finstral aus Recycling-PVC und Reisschalen – und kann von außen nicht sichtbar geöffnet werden. So kommt frische Luft nach drinnen, aber ungebetene Gäste bleiben draußen. Die Rahmenprofile der Fensterwand können auf der Innen- und der Außenseite individuell angepasst werden. Über 230 Aluminiumfarben stehen dafür zur Verfügung, und auf der Innenseite sind die Materialausführungen Kunststoff, ForRes, Aluminium und Holz möglich. Für die kompakten StartBlock-Häuser werden die Fensterwände, zwei weitere Fenster und eine Haustür komplett im Werk montiert und das Haus anschließend als Ganzes auf die Baustelle transportiert.
Haus ohne Baustelle.
Eigenheim in Serie Ziel von StartBlock ist es, möglichst viele erschwingliche Reihenhäuser auf geringer Grundfläche zu realisieren.
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Einbau Die großformatige Fensterwand wird in die richtige Position gehoben und dann professionell montiert.
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Serielle Produktion Die 3.000 Quadratmeter große Halle in Emmeloord bietet Raum für zwölf Häuser, die gleichzeitig produziert werden können.
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Innovation durch Kooperation (v.l.n.r.) Joachim Oberrauch, Chef der Finstral-Produktentwicklung, mit Henk Visscher und Jeroen Oost, zwei der drei StartBlock-Gründer (nicht im Bild: Architekt Jelle Post).
StartBlock
Design, Entwicklung, Konstruktion – das vierköpfige Entwicklungsteam des niederländischen Unternehmens denkt und arbeitet interdisziplinär. Die gemeinsame Mission: Wohnungsmangel und das Problem der explodierenden Immobilienpreise lösen – mit einem nachhaltigen und erschwinglichen Haus, das allen Bauvorschriften entspricht und möglichst wenig Platz beansprucht. Zwei Jahre dauerte es von der ersten Idee bis zum Musterhaus, das am Eingang des Firmengeländes im niederländischen Emmeloord steht.
startblock.nl
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