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„Ich würde das antiquierte System der Bebauungspläne abschaffen.“
Licht denken und licht denken – wer baut muss beides können. Acht Fragen an Christoph Hesse von Christoph Hesse Architects.
„Ich würde das antiquierte System der Bebauungspläne abschaffen.“
Der Südtiroler Fensterhersteller Finstral sucht den Dialog, initiiert Gespräche, begegnet Menschen, trifft Ideen und diskutiert relevante Themen aus dem Großraum Architektur. Für sein Magazin F_03 hat das Unternehmen acht Fragen an Architekten in ganz Europa gestellt. Hier lesen Sie die Antworten von Christoph Hesse von Christoph Hesse Architects aus Deutschland/Berlin.

1. Wie denken Sie als Architektin/als Architekt über Licht?

Christoph Hesse: Licht ist für mich ein zentrales Gestaltungselement, um die Menschen auf emotionaler Ebene zu berühren. Zugleich nimmt Dunkelheit aber auch eine wesentliche Funktion ein. Denn nur bei einem bestimmten Verhältnis von Licht und Dunkelheit wirkt die Symbolsprache von Licht. Während einer Mitternachtsmesse kann eine kleine Kerze eine ganze Kirche erhellen, oder das Morgenlicht im Sauerland eine ganze Landschaft mit Atmosphäre erfüllen.

2. Wie planen Sie Tageslicht? 

Wir planen Tageslicht anhand von physischen Modellen bei uns im Atelier und mit Mock-ups auf der Baustelle zu verschiedenen Tages-und Jahreszeiten.

3. Wie nutzen Sie das Fenster als architektonisches Gestaltungselement?
Zum einen arbeiten wir oft mit strukturellen Fenstern, d.h. eine ganze Wand wird durch ein großflächiges Fenster ersetzt, um den Innen- und Außenraum eng miteinander zu verbinden. Zum anderen verwenden wir kleine Fenster, um den Ausblick in die Landschaft wie ein Gemälde an der Wand erscheinen zu lassen.

4. Welches (bekannte) bestehende Gebäude würden Sie gerne wie umnutzen oder erweitern?
Ich würde gerne den Sitzungssaal des Sicherheitsrates aus dem Hauptgebäude der Vereinten Nationen in New York herausschneiden und auf einen ausrangierten Flugzeugträger bauen. Damit könnten dann die Konfliktregionen der Welt angesteuert werden, um direkt vor Ort die Friedensverhandlungen zu führen.

5. Bauen ist ein Dickicht aus unzähligen Vorgaben und teils veralteten Abläufen: Was würden Sie ändern? Und wie?
Ich würde das antiquierte System der Bebauungspläne abschaffen und durch lokale und gemeinwohlorientierte Gestaltungsprinzipienersetzten.

6. Architektur ist gebaute Realität. Welche gesellschaftliche und politische Verantwortung haben ArchitektInnen heute?  
Architektur kann einen Beitrag zu einer gerechten, humanen und nachhaltigen Zukunft leisten. Soziales Ungleichgewicht und die Folgen des Klimawandels sind Hauptangriffspunkte, die in einem strategischen Prozess neu gestaltet werden müssen. Mit natürlichen und recycelten Materialien und alternativen Energiekonzepten müssen Lösungen gefunden werden, die die gebaute, natürliche und soziale Umwelt in Einklang bringen und gleichzeitig den Einsatz neuer Ressourcen reduziert. Die Nutzer müssen aktiv in den Gestaltungsprozess einbezogen werden, mit dem Ziel, die Eigenverantwortung der Menschen zu fördern und so die richtigen Orte für die Gemeinschaft zu schaffen.

7. Mit wem würden Sie gerne einen (Architektur-)Diskurs führen – und zu welchem Thema?
Ich würde gerne einen Diskurs mit den Soziologen Hartmut Rosa und Andreas Reckwitz führen. Das Thema wäre Resonanz und Unverfügbarkeit in der Gesellschaft der Singularitäten von heute im architektonischen Kontext.

8. Mit welcher These eröffnen Sie diesen Diskurs?
Nur gemeinwohlorientierte Architektur hat Zukunft.

ChristophHesseArchitekten wurde 2010 von Christoph Hesse in Korbach gegründet. 2018 kam eine weitere Niederlassung in Berlin dazu und das Team ist auf 12 Mitarbeiter gewachsen. Das Büro wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und stellt seine Projekte regelmäßig in Museen und Galerien weltweit aus. 2017 war das Büro im Rahmen der Architekturausstellung auf der Documenta 14 in Kassel vertreten. Christoph Hesse lehrte als Gastdozent, Assistenzprofessor und Gastprofessor an der ETH Zürich, der Harvard University, der Ho-Chi-Minh-Universität für Architektur in Saigon, der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Kassel.
christophhesse.eu

Weitere Antworten von Architekten aus ganz Europa lesen Sie unter
finstral.com/framinglight

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finstral.com/f03

„Ich würde das antiquierte System der Bebauungspläne abschaffen.“
F_03 heißt die inzwischen dritte Edition des Magazins von Finstral. Unter dem Titel „Framing Light“ lädt das Unternehmen Architekten zum Diskurs ein.
„Ich würde das antiquierte System der Bebauungspläne abschaffen.“
Architekten aus ganz Europa folgten der Einladung von Finstral, auf acht Fragen zu Licht und Architektur zu antworten.
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Bis 2030 wird Finstral CO<sub>2</sub>-neutral.
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Langfristig zu denken und ressourcenschonend zu handeln, ist für ein Familienunternehmen wie Finstral fester Bestandteil der eigenen Kultur.