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Café im Seegarten, Kressbronn

Klein aber fein

So klein der Café-Pavillon am Bodensee auch sein mag, der Architekt hat klare Details und erfrischende Ideen darin umgesetzt. Der Pavillon wirkt durch die umlaufende großflächige Verglasung und die schlanken anthrazitfarbenen Fensterprofile unaufdringlich und bettet sich wie selbstverständlich in die Umgebung, den „Seegarten“ ein. Die Besucher lieben ihn: Schon nach vier Wochen musste der Pächter weitere 20 Tische für den Außenbereich bestellen.
 
 
 
 
Objektdaten Café im Seegarten
Objekt: Neubau
Bauherr: Gemeinde Kressbronn, Baden-Württemberg
Landschaftsplanerischer Wettbewerb: 1. Preis Planstatt Senner, Überlingen
Architekt: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Stoppel, Nonnenhorn
Fertigstellung: Himmelfahrt 2009
Fenster: Finstral Hebeschiebetür-Fassade in Kunststoff-Aluminium
 
 
Direkt am Kressbronner Anleger der Fähre von Konstanz nach Bregenz liegt das Café im Seegarten. Es ist Teil einer Aufwertung des Seeufers, das früher als Exporthafen diente und auf dem das beliebte Hotel Schiff stand. Die Freiflächen wurden neu gestaltet, die Seestraße saniert und das Café gebaut. Die Bürger Kressbronns wurden in die Planung des neuen Seegartens mit einbezogen. Dabei kristallisierte sich der Wunsch nach einer gastronomischen Nutzung heraus und es entwickelten sich die Vorgaben für das Café: Ein unaufdringlicher, leichter und transparenter Baukörper sollte es werden, verbunden mit möglichst wenigen Eingriffen in die Landschaft. Thomas Stoppel, ortsansässiger Architekt, wurde mit dem Entwurf beauftragt.
 
Auffälligstes Merkmal: Alles Glas
 
Der Bau ist rundum verglast, auch im Küchen- und WC-Bereich. Bei letzterem wurde als Sichtschutz satiniertes Glas gewählt. Das Café hat eine Grundfläche von 21 m x 9 m und ist funktional geteilt. Sehr präsent ist der 85 m² messende Gastraum mit seinen großen Schiebetür-Öffnungen und den großen Sonnenschutz-Schiebeelementen mit Lamellen. Seitlich gibt es einen separaten Zugang zu den öffentlichen Toiletten im UG und dem Behinderten-WC im EG. Da die großen Glasscheiben eine effektive Verschattung erfordern und Ornithologen befürchteten, dass Vögel dagegen fliegen würden, entwickelte der Architekt Schiebeelemente aus L-Stahlwinkel-Rahmen mit horizontalen Lamellen aus geölter Thermobuche, die den fast ungehinderten Blick von innen auf den Bodensee erlauben. Die Elemente verschatten bis zu 80 % der Fassade – der Rest sind Türen –, verlaufen aber in zwei Ebenen, so dass sie für eine offenere Fassade hintereinander „geparkt“ werden können. Durch die stabile Konstruktion kann trotz der exponierten Lage direkt am See der Sonnenschutz auch bei Sturm stehen bleiben.
 
Schmale Profile, große Glasflächen, unsichtbare Flügelrahmen
 
Die 60 m lange umlaufende Fensterwand besteht aus bis zu 2,50 m x 2,50 m großen KAB-Hebeschiebetür-Elementen in Kunststoff-Aluminium des Südtiroler Herstellers Finstral. Im Treppenhausbereich und der Küche wurden feststehende Glasfelder mit Oberlichtern zum Kippen eingebaut. Der Architekt wählte das KAB-System, weil die Fensterprofile mit 50 mm besonders schmal sind. Außerdem, stellt Thomas Stoppel fest: „Finstral  hat das einzige Profil am Markt, mit dem man eine Pfosten-Riegel-Optik erreicht – und in das sich die Hebeschiebetüren (unsichtbar) ohne zusätzliche Profile integrieren lassen.“ Und die Kombination aus Kunststoffprofilen mit Aluminium-Schalen sei auch preislich überzeugend.

Mit den beiden Materialien kann jede Seite ihren individuellen Ausdruck entwickeln. So wurde die Aluminium-Schale anthrazit pulverbeschichtet, um sich vor dem umgebenden Grün der Bäume zurückzunehmen. Durch den hohen Selbstreinigungseffekt der Oberfläche wird etwaigen Verschmutzungen durch Mücken entgegengewirkt. Bei den Innenseiten wurde ebenfalls aus Gründen der Pflegeleichtigkeit und Schmutzunempfindlichkeit eine genarbte Kunststoff-Oberfläche gewählt. Der weiße Farbton (azurweiß) reflektiert darüber hinaus das Licht, sorgt also auch bei geschlossenen Schiebeläden für einen hellen Innenraum. Die Aluminiumschalen sind auf die wärmedämmenden Kunststoffrahmen aufgeklipst. So besteht keine Gefahr von Kontaktkorrosion und Fäulnisbildung im Verbindungsbereich. Die Fensterwand ist mit 2-fach-Verglasung ausgestattet und erreicht so einen Uw -Wert von 1,1 W/m²K. Zu exzellenter Wärmedämmung trägt auch die thermisch entkoppelte Schwelle bei, die sich außerdem durch einen besonders flachen Übergang auszeichnet.
 
Anklänge an das alte "Hotel Schiff"
 
Auch die übrigen Materialien des Café-Pavillons sind überlegt gewählt und nehmen sich in der Farbgebung sehr zurück. Das Tragwerk bilden weiß gestrichene Stahl-Rundstützen und Holzbalkendecken. Die Akustikdecke mit Quadratlochung und in den Gipskarton integrierten Downlights ist ebenfalls weiß. Als Bodenbelag wählte der Architekt einen geschliffenen schwarzen Estrich, in den sichtbar helle Kiesel aus Kressbronn (ca. 10-16 mm) eingestreut sind. Die Möbel – Stühle mit hoher Lehne und Tische mit Nussbaumfurnier – nehmen die dunkle Farbgebung auf. Rötliches Holz – Merbau – findet sich in der Theke und an den nach hinten zu den Nebenräumen führenden Wänden. Hier hat Thomas Stoppel in Anlehnung an das alte Hotel „Schiff“, das früher an dieser Stelle stand, ein stilisiertes Schiff verwirklicht. Das Format der Holzdielen zeichnet Schiffsplanken nach, unterstrichen durch eigens eingefräste und mit schwarzem Silikon verfugte Stöße. Die Theke hat die Form eines Schiffsbugs und die Wände steigen ähnlich einem Schiffsrumpf an. 
Die neu gestaltete Uferzone und das Café finden großen Anklang bei Kressbronnern und Besuchern. Der Bürgermeister formulierte es zur Eröffnung an Himmelfahrt 2009 so: „Kressbronn ist nun endgültig am See angekommen“.

Textnachweis: pro publica